„Pudel di net auf!“

Wie bei jeder kontrovers geführten Diskussion trat auch im Falle der Debatten rund um die Band Frei.Wild nach einiger Zeit Erlahmung ein. Das Interesse ebbte nach diversen tatsächlichen und vermeintlichen Skandalen und -älchen wieder ab, ohne zu irgend einem Zeitpunkt auch nur ansatzweise in die Tiefe vorgedrungen zu sein. Versucht man jetzt, am vielzitierten Stammtisch oder in illustrer Rockkonzertbesucherrunde das Thema anzuschneiden, gewinnt man damit keinen Blumentopf mehr. Erdreistet man sich, darauf hinzuweisen, dass auch in dieser Festivalsaison rechtslastige Bands fröhliche Urständ feiern, wird man im besten Fall abgewürgt (rein bildlich gesprochen). „So what?“ denkt sich der/die geneigte LeserIn. Eine kleine Anekdote als Denkanstoß, warum das Thema „Musik als Einstieg in die rechtsextreme Szene“ einen dauerhaften Platz in der Öffentlichkeit verdient: Novarock 2011 – eines der größten kommerziellen Festivals Österreichs mit rund 120 000, vorwiegend jugendlichen, BesucherInnen. Davon abgesehen, dass Securities vor Ort nichts dabei finden, dass mehrfach am Campinggelände im trockenen und staubigen pannonischen Winde Reichskriegsflaggen flattern, so entdeckte ich einen jungen Mann um die Zwanzig, der offenbar ein glühender Fan der Band KISS zu sein schien. Hatte er doch – so glaubte die Autorin – das Bandlogo (mit den berühmten blitzförmigen zwei „S“) auf den Oberarm tätowiert. Ob jener Herr tatsächlich KISS-Fan ist oder nicht, bleibt nach wie vor im Dunkeln. Klar war bei näherer Betrachtung, dass die Buchstaben „K“ und „I“ fehlten. Auch dies fanden nebenstehende Securities per „Pudel di net auf! Wonn’s eam gfoit“ nicht weiter anstößig. Dass es Leute gibt, die sich die Rune der „NS-Schutzstaffel“ tätowieren lassen, wird nie zu verhindern sein. Dass jedoch weder Angestellte einer Sicherheitsfirma noch umstehende Festival-BesucherInnen irgendetwas dabei finden und müde mit den Schultern zucken, ist Symptom eines Umgangs mit einer Ideologie, die in Österreich immer noch salonfähig zu sein scheint.

Kommentar veröffentlicht im KRANICH | Die Zeitung des Salzburger Friedensbüros (Sommer 2013)

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