Die Unis tragen Trauer

Geht’s der Wirtschaft gut, geht’s uns allen gut. Wenngleich rundherum – vor allem in letzter Zeit – eher zu beobachten ist, dass es vor allem der Wirtschaft gut geht, wenn’s der Wirtschaft gut geht. Und die Menschen zahlen im Sinne des Hinter-dem-Geld-Nachhechelns den vollen Preis dafür. Sei’s, weil sie von den hart erarbeiteten Einkommen nicht mehr (über)leben können, sei’s, weil sie langsam aber sicher ausbrennen. Aber mei: was macht es schon, wenn man die Heizkosten nicht mehr berappen kann, wenn man gleichzeitig dabei hilft, dass die oberen Zehntausend nicht auf ihre Goldschirmchen im Longdrink verzichten müssen.

Eine neue Dimension der kompletten Unterordnung aller Dinge unter wirtschaftspolitische Bedürfnisse (bis zum Erbrechen, muss man schon fast sagen) ist die Abschaffung des Wissenschaftsministeriums respektive seine Eingliederung ins Wirtschaftsministerium. Diese Eingliederung soll absurderweise – so Spindelegger – die Forschung wieder in den Mittelpunkt rücken. Wenn ich – mit Verlaub – an dieser Stelle fragen dürfte: Bitte sehr hääää? Wie meinen? Eine mögliche Erklärung dieser verqueren Logik möge vielleicht sein, dass im Sinne der ÖVP ein freier Markt ja immer Recht hat und deswegen auch nur jene Wissenschaftszweige, die sich zu Geld machen bzw. deren „Produkte“ sich verhökern lassen, sinnvoll sind. Spindelegger geniert sich nicht einmal mehr, dies durch die Abschaffung des Wissenschaftsministeriums auch unumwunden zuzugeben.
Bruno Kreisky – immerhin bis heute Ikone der österreichischen Sozialdemokratie – und Hertha Firnberg trugen, nicht zuletzt durch die Begründung eines eigenen Ressorts für Wissenschaft und Forschung, zu einer Demokratisierung der Universitäten bei, Studiengebühren wurden abgeschafft, die Drittelparität eingeführt. 43,5 Jahre später findet die SPÖ scheinbar nichts dabei, diese Errungenschaft ihrer Ikone mit einzugraben. Hier geht’s vor allem um die Symbolik, die mehr als verheerend daherkommt – Synergien mit dem Wirtschaftsressort existieren nämlich nur sehr bedingt (der gesamte Bereich der angewandten Forschung ressortiert im Infrastrukturministerium).
Dass am 17. Dezember Studierende mit teilweiser Unterstützung ihrer Universitäten auf die Straße gehen, ist dringend notwendig! Viele, die an diesem Tag demonstrieren, waren auch schon Teil der „Uni brennt“-Bewegung. Schon damals hat man genau diese Menschen, die sich wochenlang für einen freien Hochschulzugang, für eine demokratische und entsprechend ausgestattete Uni eingesetzt haben, ausgelacht und bisweilen öffentlich diskreditiert. Die Entsolidarisierung geht nun abermals einen Schritt weiter – wenn nicht die SPÖ endlich begreift, dass man hier junge, fähige, hervorragend ausgebildete Menschen am ausgestreckten Arm verhungern lässt und einem großen Teil von ihnen im Sinne einer elitären Bildungspolitik immer mehr Chancen nimmt, dann braucht sich diese Sozialdemokratie auch nicht zu wundern, dass vor allem viele Junge ihr den Rücken kehren. Bitte lasst nicht zu, dass die Pionierarbeit Kreiskys und Firnbergs auf diese Weise zunichte gemacht wird!

 

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