Es wird auch in Zukunft mölzern

Andreas Mölzer ist von der Kandidatur für die EU-Wahl zurückgetreten. Dass der vehemente öffentliche und mediale Druck daran wesentlich beteiligt waren, leugnet er vehement. Zugegeben: Leugnen hat Mölzer ja mittlerweile zu einer eigenen Wissenschaft erhoben. Die Freude bei jenen, die sich offen gegen Mölzers Gipfel der rassistischen und hetzerischen „Permanent-Verbal-Aushatscher“ gestellt haben, ist natürlich groß – und das auch zurecht.
Nicht desto trotz bleibt ein fahler Beigeschmack, sobald man einige Schritte vorausdenkt. Ein furchtbares Dilemma tut sich auf: Die FPÖ steht mit dieser Aktion nun als die Saubermann-Partei da, die sie stets vorgibt zu sein. Man hat sich (zumindest nach außen) eines untragbaren Rechtsextremisten entledigt. Eines einzigen. Mit Vilimsky steht allerdings schon der nächste rechtsrechte Hardliner (um diese Einschätzung zu treffen, reicht ein Blick auf sein Facebook-Profil) bei der EU-Wahl am Start. Diese Tatsache entlarvt auch Straches Behauptung, man habe mit Rassismus nix am Hut. Ebenso entlarvend: Straches „Neue-Juden“-Sager im Rahmen der Proteste gegen den Akademikerball im vergangene Jahr fällt in die gleiche geschmacklose, hetzerische Kategorie wie Mölzers „Konglomerat“-Ausspruch. Konsequenzen gab’s allerdings keine. Im Gegenteil: die FPÖ-Fans klatschten Beifall und noch viel mehr Österreicher_innen schwiegen zum Prinzip der FPÖ: 1. Menschenverachtende Aussage tätigen 2. Relativieren und Leugnen 3. Auf die „linke Jagdgesellschaft schimpfen 4. Sich zum Opfer erklären 5. Im Zweifelsfall: halbherzig entschuldigen 6. Warten, bis der Sturm sich gelegt hat. Die damaligen Konsequenzen: keine.
Wichtig wäre, im Rahmen der nun geschaffenen breiteren Öffentlichkeit zu thematisieren, dass genau jenes Gedankengut, das Mölzer allzu offen und ungeschminkt vertritt (und das ja auch nicht erst seit gestern), innerhalb der FPÖ nach wie vor zum guten Ton gehört und Mölzer keineswegs der einzige rechtsextreme Dogmatiker in dieser Partei ist. Zu befürchten ist Dreierlei: 1. Mölzers Rücktritt von der Kandidatenliste wird noch mehr Wähler_innen in Richtung FPÖ bringen. Zur Selbstberuhigung des/der Wählers/in, dass die FPÖ sich „ja geändert“ habe, trägt das Abservieren Mölzers bei. 2. Die Toleranz für menschenfeindliche Aussagen innerhalb der Bevölkerung ist wieder um ein kleines Stück gewachsen. 3. Die FPÖ wird weitermachen wie bisher. Mit oder ohne Mölzer. Und dass dieser früher oder später – eben wenn sich der Sturm gelegt hat – wieder auf der Bildfläche auftauchen wird bzw. seine publizistischen Tätigkeiten weiterführen wird, ist anzunehmen. Dafür ist die FPÖ und das, wofür sie steht, bereits zu sehr in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

Advertisements

Ein Kommentar zu „Es wird auch in Zukunft mölzern

  1. da hast du wohl – leider – recht; es ist immer wieder erschreckend wieviele österreicherInnen (und generell europäerInnen – wenn man zum nachbarn ungarn blickt) einfach menschenverachtende aussagen und rassistische handlungen hinnehmen oder sich sogar selbst daran beteiligen.
    danke für deinen essay

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s