Wenn man keine Identität findet, wird man identitär | Ein offener Brief an die StöraktionistInnen vom 27. Jänner 2015 in Salzburg

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Ihr wähnt euch stark und revolutionär mit eurem Transparent, euren Parolen, dem Megafon und euren Flugzetteln in eine Podiumsdiskussion zum Thema „Vielfalt in Gefahr!“ eurer selbstgezimmerten Feindbilder – aka „Gutmenschen“ – zu stiefeln. So geschehen – für alle die’s nicht wissen – am 27. Jänner 2015 (exakt am 70. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz) in der TriBühne Lehen. Der Slogan „Vielfalt braucht Grenzen“ plus Identitären-Logo war auf’s Transpi gepinselt. Bissl farbiger hätt’s sein dürfen, euer Transpi. Gar kein klassisches Identitären-Gelb. Irgendwie schade. Deswegen haben euch auch viele nicht gleich zuordnen können. Aber ja nicht zu viel-fältige Farbwahl für eine ein-fältige Ideologie.

Eure Parolen hab ich mir ehrlich gesagt nicht gemerkt, wird aber vermutlich das Übliche gewesen sein. Ist auch nicht weiter wichtig, ist ja auf eurer schicken Homepage nachzulesen. Jede und jeder, der und die sich mit eurer „Bewegung“ auseinandersetzt, weiß, dass ihr eine krude Mischung aus Sündenbockprinzip, Nationalismus und Ressentiments vertretet unter einem pseudo-aufklärerisch-modernen Deckmantel.

Aber er hat ja auch nicht lange gedauert, euer Auftritt. Und schwupps, war’s wieder weg, das Grüppchen. Nicht, ohne das verdutzte Publikum vor dem nicht besonders eleganten Abgang mit einem Stapel Flugblättern zu bewerfen. Die, die nahe bei euch saßen, hatten Glück, kein Auge ausgeschossen zu bekommen, so energisch wurde da geworfen. Direkt aggressiv, könnte man meinen. Diskurs ausgeschlossen. Nun gut – Publikum und Podium ließen sich nicht groß irritieren und führten den durchaus spannenden Diskurs (ihr seid ja leider nicht bis zum Schluss geblieben, sonst hättet ihr vielleicht noch was dazugelernt) weiter. War ja auch direkt eine Werbung für das Veranstaltungsthema (aufkeimenden Rassismus, autoritäre Haltungen und einschlägige Übergriffe), die ihr da abgezogen habt. Wie gesagt – ein paar Farbtupfer wären nett gewesen. Aber ihr leidet vermutlich auch unter Budgetmangel. Da muss schwarz auf weiß reichen beim Transpi.

Niemand fürchtet sich vor euch. Und keiner lässt sich von derartigem beeindrucken oder denkt sich „Oho, so toughe Leutchens. Da schließ ich mich doch gleich an!“ Schon gar nicht jene, die heute am Podium saßen. Die sind nämlich um einiges Schlimmeres gewöhnt. Ihr habt allen im Raum gezeigt, dass Vielfalt eben keine Grenzen braucht. Schon gar nicht welche, die von selbsternannten Gralsrittern und Nationsrettern gesetzt werden. Sucht weiter nach eurer Identität, ihr Identitären. Die ist euch nämlich offenbar abhanden gekommen. Wer eine gefestigte Identität hat, braucht keine Parolen, sondern ist fähig zum kritischen Diskurs.

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