Ernstnehmen als Duldung von Ignoranz

Der Asylgipfel ist gescheitert. Warum eigentlich? Worum geht’s hier noch? Um die Lösung einer angespannten Situation? Um die rasche Klärung einer Problemlage? Um die menschenwürdige Unterbringung von Flüchtlingen, denen nichts geblieben ist als die Hoffnung in die Politik jenes Landes, in dem sie um Aufnahme ersuchen? Um die Wahrung und Einhaltung eines Menschenrechts? Dass es ganz offensichtlich genau NICHT darum geht, wurde angesichts des Ausgangs der Verhandlungsrunde mehr denn je offengelegt. Es geht um politisches Kleingeld und um schlichten Machterhalt. Nach der Wahl ist vor der Wahl. Man will ja die BürgermeisterInnen der 66% der Gemeinden, die noch nicht einmal von weitem AsylwerberInnen gesehen haben, nicht verärgern. Weil: Das Unbehagen der BürgermeisterInnen ist schließlich das Wichtigste. Scheiß drauf, dass Flüchtlinge mittlerweile angesichts des Unvermögens eines Teils unserer EntscheidungsträgerInnen – allen voran der Innenministerin – auf dem Boden und im Freien schlafen müssen. Drauf geschissen, dass traumatisierte Menschen hier auf die VerlierInnenseite geschoben werden. Geschissen auf die Leut‘, denen man vonseiten der brodelnden WutbürgerInnenschaft selbst noch das Handy neidig ist. Aber Hauptsache, die Befindlichkeiten der BürgermeisterInnen und der Landeshauptleute werden ernstgenommen.
Im Diskurs wird „Ernstnehmen“ permanent verwechselt mit der Duldung von Ignoranz. Die Gemeinden, in denen mittlerweile Flüchtlinge aufgenommen wurden, zeigen unglaubliche Solidarität. Die Bevölkerung gründet mit Unterstützung der GemeindevertreterInnen Plattformen, um unbürokratisch, schnell und vor allem MENSCHLICH zu helfen und den AsylwerberInnen ein Mindestmaß an normalem Leben zu ermöglichen. Ebendas tun jene, die diesen Gipfel platzen ließen, nämlich nicht. Rechtsüberholen wird zur Norm und die Furcht vor der FPÖ lähmt jeglichen menschenrechtlichen Hausverstand.

Lassen wir FPÖ und Konsorten rechts liegen. Bilden wir einen Schulterschluss und holen die Flüchtlinge in unser Land. Besonders in Gemeinden, die nicht die Augen vor der Aufnahme von AsylwerberInnen verschließen, hat die FPÖ früher oder später kein Leiberl mehr. Weil die Bevölkerung in Anbetracht der Begegnung mit den Menschen, die sind wie du und ich und schlicht nicht das Glück haben, in einem (noch) konflikt- und kriegsfreien Land leben zu dürfen, die Erfahrung macht, dass an selbigen nichts Fürchtenswertes ist.

Stattdessen hält man Furcht, Ressentiments und Angst aufrecht und lässt einen derart wichtigen Termin platzen. Euch ist nicht mehr zu helfen. Aber heult nicht herum, wenn Strache Kanzler wird und all jene Errungenschaften in einen Scherbenhaufen verwandelt, der den Heulern, Plärrern, Neidern und Angsthasen dann wirklich Grund zur Abstiegsangst gibt.

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