„Leben in Ebensee“ wurde gegründet, alte und neue EbenseerInnen feierten bei einem Get-Together und beim Marktfest gemeinsam und neue Freundschaften wurden und werden geschlossen. Ich war und bin der Meinung, dass hier parteipolitische Farben- und Wahlkampfaktionen auf Kosten der Flüchtlinge keine Rolle spielen sollen. Es lässt sich schlicht darauf reduzieren, wer menschlich denkt und wer nicht. Nun musste ich heute lesen und auf Fotos sehen, dass die FPÖ direkt gegenüber jenem Wohnhaus, wo die Flüchtlinge untergebracht sind, ein Plakat angeschlagen hat. Es zeigt HC Strache und Manfred Haimbuchner und die Aufschrift: „Sichere Grenzen, sichere Heimat. Die Menschen. Das Land. Unsere Berufung“. Nun bin ich auch der Meinung, dass man der FPÖ nicht allzu viel Öffentlichkeit geben sollte. Ich bin aber zugleich der Ansicht, dass man derartige Provokationen nicht unwidersprochen lassen darf. Und in meiner Heimatgemeinde, in der so viele tolle, sozial denkende, wundervolle, offene Menschen leben und aktiv sind, sich in Vereinen engagieren und für ein vielfältiges Miteinander eintreten, lasse ich derartiges erst recht nicht einfach so stehen! Unsere Gemeinde hat aufgrund ihrer Geschichte eine besondere historische Verantwortung! Ich wäre heute nicht hier, wären meine Großeltern vor vielen Jahrzehnten nicht hierher geflüchtet. Hätten sie nicht die Möglichkeit bekommen, sich hier eine neue Existenz aufzubauen, gäbe es mich vielleicht gar nicht. Ebensee nimmt diese historische Verantwortung sehr ernst: Neben dem Zeitgeschichte Museum und der KZ-Gedenkstätte wird im Rahmen einer Städtepartnerschaft mit Prato und jährlicher Gedenkfeiern an die Befreiung des KZ Ebensee dafür gesorgt, dass das hier Geschehene nicht vergessen wird. Vor sechs Jahren haben mehr als tausend Menschen hier ein Zeichen gegen Rassismus und Menschenverachtung gesetzt. Sie sind das Gesicht Ebensees! Sie sind die, die gehört und gesehen werden müssen. Manche mögen in der FPÖ-Plakataktion lediglich einen „Zufall“ sehen. Ich sehe das nicht so. Hier wurde bewusst ein Signal gesetzt. Genauso gut hätte man ein Schild hinstellen können, auf dem „Ausländer raus!“ geschrieben steht. Das ist nicht mein Ebensee. Ich akzeptiere politische Meinungen, die nicht die meinen sind. Sich an einen Tisch zu setzen und gemeinsam Kompromisse zu finden, ist für mich ein wichtiger Grundsatz. Sobald es jedoch gegen die Schwächsten unserer Gemeinde, unserer Gesellschaft geht, sehe ich darin keine politische Meinung mehr, sondern schlicht menschenfeindliche Propaganda. Mit derartigen Aktionen trefft ihr nicht nur die Flüchtlinge, die dort leben, sondern missachtet zudem das Engagement vieler Ebenseerinnen und Ebenseer. Und beides ist für mich nicht akzeptabel!]]>

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