Schließlich entschied ich mich, über Seifenblasen zu schreiben. Auf der Facebookseite der Clowndoctors wurden am 10. September Fotos von ihrem Einsatz am Westbahnhof gepostet. Umringt von Kindern und Erwachsenen stehen Menschen, rote Nasen im Gesicht, bunte Krawatten umgebunden, mit lustigen Hüten auf dem Kopf. Und dem, was so viel Hoffnung gibt: Offenen und strahlenden Gesichtern. Bunte Tücher werden jongliert. Und man lässt Seifenblasen steigen. Kinder jagen den Blubberblasen nach. Ein wunderhübsches kleines Mädchen im blauen „Eiskönigin“-Kleidchen, mit roter Brille und ebenso roter Clownsnase, lacht. Und mir steigen die Tränen in die Augen. In der Flut der Bilder, die in den letzten Tagen und Wochen gepostet, geteilt, diskutiert wurden, versinnbildlichen diese Szenen all das Gute. Das Menschliche. Das, worauf es eigentlich ankommt. Diese Bilder vermitteln Anteilnahme. Das gemeinsame Lachen sagt „Ihr seid uns nicht egal.“ Das gemeinsame Spiel zeigt, dass es selbst in der Dunkelheit noch Augenblicke der Freude geben kann. Diese Momente des Stehenbleibens nach Tagen, Wochen, Monaten der Flucht vor Krieg und Unmenschlichkeit und die Reaktion der Betroffenen lässt auch die Zeit stillstehen. Das Schicksal dieser Menschen, die so viel Mut beweisen in der Entscheidung, ihre Heimat zu verlassen, ist bisweilen ungewiss. Was zählt ist jedoch, dass sie in Sicherheit sind und vor allem menschliche Behandlung erfahren. In Ungarn gibt es keine Seifenblasen. Dort gibt es nichts außer Beklemmung, Law-and-Order-Politik und einer Regierung, die eigentlich wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt gehört. Alle, die sich auf diesen beschwerlichen Weg der Flucht gemacht haben, haben sich Seifenblasen verdient. Sie alle haben sich ein Stehenbleiben und ein herzliches Lachen verdient. Charlie Chaplin wird das Zitat zugeschrieben: „Jeder Tag, an dem du nicht lächelst, ist ein verlorener Tag.“ Niemand, auch nicht Orbán, hat das Recht, diesen Menschen ihr Lächeln und ihre Tage zu stehlen. Seifenblasen für alle!]]>

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