Warum wir nicht sehen wollen

Auf meiner heutigen Reise durch das World Wide Web stieß ich auf die Seite eines Fotografen. Er zeigt Porträts von Flüchtlingen, zeigt ihre Gesichter und ihre Biografien.
Wir alle wissen aus unserer Alltagserfahrung, dass uns die, die wir kennen, deren Geschichten und Gesichter wir sehen, hören und lesen, weniger fremd werden. Je besser man sich kennenlernt, desto mehr verschwinden Unterschiede. Man entdeckt das Gemeinsame, das Verbindende. Und das Trennende rückt in den Hintergrund.
An den momentanen Debatten darum, wer was ist, tut und denkt wird klar, dass wir verlernt haben, einander zu begegnen und kennenzulernen. Wir lassen die Biographie, das Aussergewöhnliche, das Besondere, das jeden und jede von uns so einzigartig macht, nicht mehr zu. Stattdessen tragen wir in unserem Kopf fein säuberlich kategorisierte Schachteln und Schächtelchen, Regale, Kommoden und Kisten – ja ganze Schrankwände – spazieren, in die wir die Menschen hineinstopfen, die wir nicht kennenlernen wollen. Ihre Biographien sind uns egal. Wir hören lediglich: der ist Flüchtling, die ist Asylwerberin. Naja, der ist sicher nur ein Wirtschaftsflüchtling, der in unser Sozialsystem einwandern will. Ach, die Asylwerberin kommt aus Serbien, die kann doch keine Gründe haben, ihre Heimat zu verlassen.
Sind wir wirklich schon so weit? Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: Haben wir jemals anders – humaner – gedacht? Ist unsere Grundhaltung tatsächlich die, dass uns der andere prinzipiell egal ist, weil wir ja eigentlich die Armen und Geprügelten sind? Verkennen wir wirklich so sehr die Situation der Armen und Geprügelten, der Verfolgten und Geächteten? Warum wollen wir ihre Gesichter nicht sehen und ihre Geschichten nicht hören?

Vermutlich, weil es dazu führen könnte, dass sie uns den Spiegel vorhalten und zeigen, dass sie ebenso wertvoll, einzigartig und aussergewöhnlich sind wie wir. Sie sind wir – wir sind sie. Akzeptieren wir das endlich um zu verhindern, dass wir sehenden Auges in eine noch größere menschliche Katastrophe schlittern.

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