Warum Metalheads Robb Flynn dafür applaudieren sollten

Nach Phil Anselmos White-Power-Sieg-Heil-Aktion meldete sich Robb Flynn von Machine Head zu Wort. Er ging darin nicht nur auf Phil Anselmo und dessen Hitlergruß ein, sondern machte klar:

Goodbye, Phil Anselmo. I’ll never be playing another PANTERA song again as long as I live. And to the metal community that backs this bullshit, see you later. Count me out. I want no part of this anymore.

Flynn spricht damit etwas an, was bereits lange und in unterschiedlicher Intensität innerhalb der Metal Community diskutiert wird (bzw. werden sollte). Insbesondere dann, wenn Veranstalter aufgrund einschlägiger Bands am Line Up Probleme bekommen und dafür dann meist „die“ Antifa verantwortlich gemacht wird, anstatt sich mit der eigenen Verantwortung auseinanderzusetzen. Von der „Political-Correctness-Keule“ ist die Rede. Die Trennung von Politik und Musik wird dann gerne beschworen. Insofern ein interessanter Ansatz, weil diese Trennung nicht jenen abverlangt wird, die das eigentliche Problem sind: Bands und deren Mitglieder, die rassistische Bemerkungen als „nicht ernst gemeint“ hinstellen, in der Verwendung einschlägig rechtsextremer Symbolik eine ach so witzige Provokation sehen oder in unterschiedlicher Intensität Kontakte zur einschlägigen Szene pflegen. Und vor allem nicht mit durch Recherche fundierter Kritik umgehen können. Die Trennung wird erst dann beschworen, wenn derartige Bands genau wegen dieser Punkte kritisiert werden. Da heißt’s dann: „Eh klar. Die Antifanten mit ihrer Nazi-Keule hauen auf uns Arme hin und kennen sich im Metal einfach net aus.“ Dass nicht jede/r, der/die das kritisiert, zur organisierten antifaschistischen Szene gehört, sondern schlicht eine antifaschistische und antirassistische Einstellung hat – für dieses Verständnis reicht’s dann leider oft schon wieder nicht. Und dass es durchaus Menschen gibt, die sich als Metalhead verstehen und mit Rassismus und Rechtsextremismus genau nix am Hut haben (ja teilweise sogar aktiv dagegen angehen), geht ebenfalls über den Horizont derjenigen, die Aktionen wie jene von Anselmo dann verteidigen oder kleinzureden versuchen.

Umso stärkender, wenn ProponentInnen der Szene endlich „Bis hierher und nicht weiter“ sagen wie Robb Flynn, der sich in seiner Aussage zu einer eindeutigen Haltung bekennt und jenen, die glauben, Rassismus sei okay (vor allem, wenn’s ja eh eigentlich nur ein „Scherzal“ war) eine klare Abfuhr erteilt. Und zwar kompromisslos.

Es wäre wünschenswert, würde der Umgang mit genau derartigen, bisher leider zu häufig tolerierten Haltungen und Handlungen à la Anselmo in der Szene ernsthaft angegangen anstatt sich bei der kleinsten Kritik auf eine „mimimi“-Position zurückzuziehen. Möglicherweise gibt Robb Flynns Statement dazu einen kleinen Anstoß. Ihm wird’s egal sein, ob jetzt Leut‘ beleidigt sind und ihre Machine-Head-Alben heulend in die Tonne treten. Er kann sich nämlich im Gegensatz zu denen, die immer noch der Meinung sind, Musik und Politik haben nichts miteinander zu tun und Rassismus wär doch „eh nur ein Scherzal“, noch in den Spiegel schauen.

Anstatt jetzt auf Flynn loszugehen, wäre es an die Zeit, ihm dafür dankbar zu sein. Im Gegensatz zu Anselmo und anderen, die offenbar im Geschichteunterricht nicht so ganz aufgepasst haben und deswegen glauben, Hitlergrüße seien doch was unheimlich Drolliges, trägt Flynn dazu bei, hier ein längst überfälliges Tabu in der Metalszene endlich anzugehen. Er, der Teil der Szene und Role Model ist, zeigt, dass man auch als Metalhead offen gegen Rassismus auftreten kann und dass ein Nebeneinander von Liebe zur Musik und humanistischer Einstellung durchaus funktioniert. Dafür sollten wir ihm eigentlich applaudieren.

Das komplette Transkript des Statements findet ihr hier.

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