Again. Again. Again. Ein paar Worte. Über die ‪‎Angst‬.

Wir sitzen am Küchentisch, meine syrischen und afghanischen Freunde haben rote Augen, die Taschentücher sind längst aufgebraucht.

Die Trauer ist überwältigend und ja, die Angst auch.
Köln.
Paris.
Jetzt ‪#‎Bruessel‬.
Die Angst.
Der Horror.
Der Terror.

Und gleichzeitig versuchen alle, ein halbwegs normales Leben zu führen oder so etwas ähnliches wie ein normales Leben aufzubauen:
Deutsch lernen, zu Behörden rennen, Studienabschlüsse vorlegen, die dann nicht anerkannt werden, als Pizzabote arbeiten, neue Berufe lernen.
Und immer dankbar sein müssen.
Für alles, für jedes Paar geschenkte Schuhe, für den privaten Deutschkurs, für den Museumsbesuch, für die ermäßigte Büchereikarte.

Und dann der Moment, wenn Deine Freundin sagt, sie fürchtet sich. Weil sie nicht wie eine Österreicherin aussieht.
Und sie fürchtet sich vor den Terroristen und vor den Zäunen, vor den Politikerinnen, vor den Fotos zerfetzter syrischer Kinder in Aleppo, Holms, Damaskus. Und vor den verzweifelten Gesichtern auf den Fotos aus den Lagern.

Inzwischen fliegen Bilder durchs Netz, die kleine Kinder in griechischen Flüchtlingslagern zeigen. Sie halten Schilder hoch, auf denen zu lesen steht „SORRY FOR BRUESSELS“.
Mich schaudert.
Was haben diese Kinder mit den Anschlägen zu tun?
Sind diese Kinder nicht die Opfer der selben Terroristen, die einen Flughafen in Schutt und Asche legen und Menschen beim Check In umbringen?
Wieso sollen sich diese Kinder für die Taten ihrer Peiniger auch noch entschuldigen?

Ich fürchte mich auch.
Vor dem kalten Frühjahr 2016. Und daß es jetzt, nach Brüssel, noch kälter wird. Hier und anderswo. Ich fürchte um das Ende der Empathie.

„Will they let all our people die now at the borders?“, werde ich gefragt.
Was soll ich antworten?
Ich kann doch nur JA sagen, genau das wird geschehen und geschieht doch bereits.
„Don´t they understand, that we all run away from these terrorists?“, werde ich gefragt.
„Nein, ich glaube nicht, dass sie das verstehen.“, muss ich antworten.
„The terrorist want to destroy all our affords to live. They don´t attack only Europeans.They attack all of us, Because we love freedom. Cause freedom is our religion.“

Wir müssen durchatmen und Kraft sammeln.
Weil das, was es wirklich zu schützen gilt, ist unsere Freiheit.
Und ich befürchte, die Gegner sind zahlreich. Sie benutzen die Worte „Freiheit“ und „Grenzen“ in einem Satz und das, ohne zu stolpern. Sie verstehen nicht das Wesen der Freiheit und sie pfeiffen auf jedes Mitgefühl.
Sie benutzen die Anschläge um politisches Kleingeld zu machen.
Und ja, das macht mir am meisten Angst.
Lassen wir uns bitte nicht auseinander dividieren und spalten.

‪#‎Solidarität‬ ist nicht unmöglich sondern machbar..
Aber sicher nur gemeinsam.

Sabine Beck ist politisch aktive #Fluchthelferin und grüne Bezirksrätin in Wien. Dieser Beitrag wurde von ihr am 22. März auf ihrem Facebook-Profil veröffentlicht.
Mit freundlicher Genehmigung der Autorin.

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