Wer keine Identität hat, wird identitär. #Part2

Rechtsextrem versus linksextrem – so die Schlagzeilen. Gelinde gesagt befremdlich, dass jene, die sich gegen die Identitären stellen, automatisch als linksextrem gelten. Man schafft es offenbar immer noch nicht, über das Schachterldenken hinauszugehen. Darauf zu schließen, dass man linksaußen sein muss, um gegen rechtsaußen zu agieren, ist schlicht falsch. Extrem sein zu müssen, um gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit aufzutreten, entspricht schlicht nicht dem Status Quo und auch nicht der Motivation jener, die sich gegen Rechtsextremismus stellen.

Die Identitären marschieren. Sie stören, greifen einen Uni-Rektor an und nehmen sich in ihrem völkischen Denken besonders wichtig. Von rechtsextremen und neonazistischen freien Kameradschaften unterscheidet sie was? Maximal der Haarschnitt und die Hipster-Brille. Das war’s aber auch schon. Dass jene, die gegen die Identitären auftreten automatisch als ebenso bedrohliche Staatsfeinde angesehen werden, bedrückt mich. Dass Menschen wie Niki Kunrath oder Sabine Beck, dem man wahrlich nicht vorwerfen kann, staatsfeindlich zu agieren, mit vom Pfefferspray tränenden Augen von einer Gegenkundgebung nach Hause gehen, ist ebenso bedrückend. Und es zeigt, dass die Exekutive davon ausgeht, dass jene, die gegen Rechtsextremismus auftreten (sogar der ORF benennt die Identitären als „rechtsextreme Bewegung“), automatisch außerhalb des Verfassungsbogens stehen, anstatt anzuerkennen, dass hier die Zivilgesellschaft einen Job macht, der eigentlich Aufgabe des Staates wäre.

Das Versammlungs- und Demonstrationsrecht ist hoch angesiedelt im Lande Österreich. Aber es ist ja nicht so, dass die Identitären in den letzten Wochen und Monaten gezeigt hätten, dass sie sich innerhalb der Verfassung und die Demokratie anerkennend bewegen würden. Sie treten gewaltbereit auf, provozieren, verletzen, verhetzen und bedrohen. Hier geht es nicht um eine Bürgerbewegung, sondern um eine Gruppe, die es durchaus in Ordnung findet, die eigenen Eltern für geistesgestört zu erklären, nur weil sie es nicht goutieren, wenn sich die Kinder in einer rechtsextremen Bewegung engagieren. So sehr Strache und die FPÖ auch versuchen, sie als „friedlich“ darzustellen, so sehr widerspricht die Agitation dieser Behauptung.

Sehen wir uns diese Identitären an, so müssen wir ehrlich gestehen, dass sie im Endeffekt ein Haufen selbstverliebter und verwöhnter Möchtegern-Führer sind, die für sich beanspruchen, gesellschaftliche Revolutionäre zu sein. Nicht wenige aus der Führungsriege studieren Geschichte und sollten eigentlich wissen, dass zur sozialen Revolution mehr dazugehört als Transparente vor sich herzutragen und gegen Minderheiten zu mobilisieren. Natürlich sollten wir sie nicht unterschätzen. Ihnen aber gleichzeitig die kalte Schulter zu zeigen und zu signalisieren, dass wir uns nicht vor ihnen fürchten, sollte ebenso unsere Aufgabe sein. Das hat nichts mit linksextrem zu tun. Sondern schlicht mit der Erkenntnis, dass Spaltung, Hass und herbeigeschwurbelte Identitätsprobleme (die die Identitären zweifellos haben) eine Gesellschaft noch nie weitergebracht haben. Liebe Identitäre: Ihr seid langweilig. Und ihr skandiert nix, was nicht schon irgendwann da gewesen wäre. Sinn- und identitätsstiftend zu sein, ist nicht gerade euer Ding. Ihr könnt gerne weiterhin marschieren, verletzen, hetzen und beleidigen. Die Tatsache, dass ihr das in einer freien Gesellschaft überhaupt tun könnt, ohne im Häfn zu landen, verdankt ihr jenen, die sich euch entgegenstellen. Vergesst das nicht.

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