Warum man über Trump lachen können dürfen muss

Gerung Satire
Matthias Gerungs „Satire auf die katholische Geistlichkeit“ aus dem 16. Jahrhundert ist ein Beweis dafür, wie schmerzhaft Satire schon damals Kritik zu artikulieren vermochte.
Verbot von Versammlungen. Nein falsch. Einschränkung der Versammlungsfreiheit. Ka Schmäh! Das will er tatsächlich, unser Innenminister. Man bekommt den Eindruck, Sobotka habe Trumps Tweets einmal zu oft gelesen. Apropos Trump-Tweets. Das Twitter-Profil „Trump Draws“ hat mittlerweile 360 000 (in Worten dreihundertsechzigtausend) Follower, die tagtäglich darauf warten, ob Donald eine Katze, einen Choochoo-Zug oder sein karikiertes Selbst in die Kamera hält. Dauerte natürlich nicht lange, bis die ersten Beschwerden kamen: Das sei infantilisierend, verharmlosend, Trump werde in seinem ganzen Gefährdungspotential nicht ernst genommen. Denken wir mal genauer drüber nach.

Es stimmt schon. Trump wurde kategorisch unterschätzt. Inklusive seiner WählerInnen. Die haben sich vermutlich auch selbst unterschätzt. Morbus Brexit. Zuerst aufregen, dann wählen, dann googeln. Und sich wieder beschweren, wie scheiße alles ist und dass das so aber bitte nicht geplant war. Nun ist die Welt überrascht darüber, dass Trump das Präsidentenamt führt, wie er auch vorher seine Unternehmen geführt hat: Mit viel Tamtam und selbstverliebtem Getöse, etwas Beschiss und wenig Ahnung davon, wie Politik und Diplomatie funktionieren. Mehr als Mauerbau, „muslims are terrorists“, „great again“ und „die Mexikaner sollen zahlen“ kommt da nach wie vor nicht.
Aber jetzt: Besonders jene SatirikerInnen und Comedians, die Trump hingebungsvoll auf die Schaufel und damit auf den ersten Blick nicht ernst nehmen, legen schonungslos offen, wie fähig (oder eben nicht fähig) ihrer Einschätzung nach Trump ist. Und so ganz daneben liegen sie ja doch nicht, oder? Warum infantilisiert man Trump, indem man ihm Kinderzeichnungen auf seine Dekrete ’shopped? Kann man jemanden noch mehr infantilisieren, der sich verhält wie ein Zehnjähriger mit Twitteraccount, dem man Fernsehverbot verpasst hat? Egal ob das eine gezielte Strategie Trumps ist oder nicht: Sich darüber lustig zu machen hilft ungemein, damit zurechtzukommen und die täglichen Headlines, die ja für sich selbst schon teilweise als satirisch zu bewerten sind, zu verarbeiten.

Damit Satire wirklich funktioniert, müssen vorher Ernsthaftes und Bedrohliches freigelegt werden, um es persiflieren und überzeichnen zu können. Quer durch die Geschichte des Autoritarismus wurde versucht, Humor und Satire (oftmals samt der Personen, die diese Kunst beherrschten) zu beseitigen. Wenn man so will, gab und gibt es keine humorloseren Menschen als jene, die nach Allmacht und autoritärer Führung streben. Weil sie nicht über sich selbst lachen können. Und ich geh jetzt Video schauen.

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