Ich tu mir schwer

Täglich grüßt das Murmeltier. Oder meine diversesten „Plädoyers einer Sozialdemokratin“. Nummer eins und Nummer zwo drehten sich rund um die Zustimmung der SPÖ (ein Mal Oberösterreich, ein Mal Stadt Salzburg) zum sektoralen Bettelverbot. Anlässlich der rot-blauen Regierung im Burgenland fühlte ich mich bemüßigt, mich zu wiederholen, was die Grundwerte der Sozialdemokratie betrifft. Bei der Formulierung jedes einzelnen dieser Texte war bei mir der Punkt erreicht, wo es eigentlich nicht noch schlimmer kommen konnte. Meine Austrittsdrohungen wurden zu einer gewissen Gewohnheit. Aber ehrlich gesagt ist es mir mittlerweile zu blöd geworden, mich wie eine tibetanische Gebetsmühle zu drehen. Nämlich um die sozialdemokratischen Grundbegriffe Freiheit, Gleichheit, Soli…ach was, eh ois wurscht. Wäre ja schon peinlich, das überhaupt auszuschreiben.

Nun denn. Was machma jetzt? Die SPÖ verweigert die Aufnahme einer lächerlichen Zahl von 1953 Flüchtlingen. Eintausendneunhundertdreiundfuffzig. Während gleichzeitig ÖVP-Rechtsaußen Sobotka die Relocation durchziehen will. WHAT?!

Rewind-Taste. Brrrrrrrrrt. Stop.

Ich krame im Saustall meines Schreibtischs. Irgendwo hatte ich noch ein zerfleddertes Exemplar des hochglänzenden Plan A herumliegen. Inklusive diverser Kaffeeflecken. Irgendwie ein Erinnerungsstück. An Christian Kerns Rede in Wels, die ich mir während einer Autofahrt am Weg zum ErwachsenenbildnerInnendiplomlehrgangsaufnahmegespräch (was für ein Wort) anhörte. Und wieder einmal meine eigenen Existenzangstbaustellen hintanstellte, um dem zu lauschen, was da so „aus der Bewegung“ kommt. Das war eigentlich rückblickend der letzte Hochglanzmoment. Seitdem: Ebbe. Beziehungsweise (wieder einmal) unterbrochen von Entsetzen. Entsetzen besonders bezüglich der Kürzung der Kinderbeihilfe für ausländische Arbeitskräfte (überwiegend Frauen), die „den Unsrigen“ 24 Stunden am Tag den Arsch auswischen (also nicht nur. Füttern, Psychohygiene, Gespräche, Waschen gehören natürlich auch dazu; man verzeihe die Wortwahl) . Noch größeres Entsetzen, als ich feststellen musste, dass es nicht wenige in der SPÖ gibt, die diese Kürzung nur fair finden. Und dass die Kürzung der Kinderbeihilfe ja ein gutes Instrument zur Anhebung der Löhne in der Pflege sei.*
*übrigens ein ÖVP-Argument

WHAT?!

Und jetzt? Die SPÖ, von der ich (unterbrochen von diversen Umfallern, die ich aufgehört habe zu zählen) glaubte, sie sei doch irgendwie meine politische Heimat, will das Relocation-Programm verhindern?
Vermutlich steckt irgend eine high sophisticated strategy dahinter. Um den rebuilding process der Regierung zu featuren. Ist mir aber ehrlich gesagt recht Powidl, diese Strategie. Wahrscheinlich bin ich zu doof, um die wahre sozialdemokratische Färbung dieser politischen Entscheidungen zu erkennen. Ist mir aber auch Powidl. Denn am „Ende des Tages“ (TM) bleiben wieder die über, für die sich diese SPÖ einzusetzen behauptet, aber eben nicht tut: Die Alleinerzieherinnen, die prekär Beschäftigten, die Armutsgefährdeten, Flüchtlinge, jene am Rande dieser Gesellschaft.

Ich tu mir schwer. Sehr. Und es ist genauso öd wie die zig Male zuvor. Wenn jetzt jemand sagt „Ich hab’s dir ja gesagt“, dann kann ich nur antworten: Jo. Eh.

Ich könnte ja ein Startup gründen. #masterplan

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