Der Biersieder | Ein Ebenseekrimi | Kapitel V „Buffet“

{BUFFET}

In seinen Zeitangaben war Richie sehr exakt. Das musste man ihm lassen. Zwanzig Minuten später hörten die Drei Schotter unter Autoreifen knirschen. Gemächlich schaukelte der Skoda-Kombi mit den roten und blauen Streifen und dem weißen POLIZEI-Schriftzug auf den Parkplatz. Das Blaulicht war ausgeschaltet. Naheliegend. Warum sollte Richie für den Alkotransport auch einen auf „Tatütataa“ machen? Nur verständlich.

Ebenfalls gemächlich faltete sich der Polizist, der nur wenige Zentimeter kleiner war als der Sieder, aus dem Polizeikombi. Seine Kappe ließ er im Auto. Er sah in der blauen Uniform ausreichend respekteinflößend aus. Allerdings nur für die, die ihn nicht näher kannten. Richie war mehr verständnisvoller Sozialarbeiter als Polizist. Vermutlich ein Mitgrund, warum ihn bei der KriPo keiner haben wollte.

In der Zwischenzeit hatten sich Ludi, Mani und der Sieder unter Wahrung eines beträchtlichen Respektabstands zum Bein auf die Baumstämme niedergelassen, die als Begrenzung zwischen Badeplatz und Parkplatz dienten. Das Lagerfeuer gloste traurig vor sich hin und passte irgendwie zur Stimmung der drei Freunde.

„Schaut’s nicht so zernepft. Ein ordentlicher Dampf ist kein Weltuntergang. Ist jedem schon einmal passiert, dass er allein nicht mehr nach Hause gefunden hat“, rief ihnen Richie zur Begrüßung zu. Einige Schritte später erreichte er die Drei und gab ihnen die Hand. Sein Händedruck war trocken und fest. Ganz im Gegensatz zu dem der Zernepften.

„Soll ich euch alle heimbringen? Dann packt eure Sachen zusammen. Und randaliert nicht. Eigentlich dürfte ich ja gar nicht allein unterwegs sein. Aber wir sind heute unterbesetzt und in Agatha ist Bierzelt“ grinste Richie in seinen üppigen grauen Schnauzbart.

Der Sieder, der zwischen seinen Freunden auf dem Baumstamm hockte, sah zuerst Mani und dann Ludi an. Die beiden nickten ihm aufmunternd zu.

„Richie, ich muss dir was zeigen. Aber bitte nicht schrecken.“ Der Biersieder erhob sich vom Baumstamm und startete in Richtung Brogue-Bein. Richie zog skeptisch eine grauweiße Augenbraue in die Höhe, folgte ihm aber nach einigem Zögern.

„Ludi hat dich nicht angelogen. Wir haben da wirklich was gefunden. Und ich hab nur so getan, als ob ich betrunken wäre. Sonst wärst ja nicht gekommen“, sprudelte der Sieder. „Hast du eine Taschenlampe mit, Richie?“
Hinter ihm knipste der Polizist seine Maglite an, ohne weitere Fragen zu stellen. Schweigend legten die beiden die letzten Meter zurück. Schließlich blieb der Sieder stehen und deutete auf die Stelle. Er traute sich nicht weiterzugehen aus Angst, ihm könnte wieder schlecht werden. „Da leucht hin. Da drüben liegt das, von dem Ludi gesprochen hat.“ Richie richtete den Kegel der Taschenlampe auf die bedeutete Stelle.

Im Schein des kühlen Lichts schimmerte die Haut eher weiß als grün. Ein nicht unbeträchtlicher Schwarm von Fliegen hatte innerhalb kürzester Zeit das potenzielle Buffet entdeckt und schwirrte mit hörbarem, gierigem Brummen um das Bein herum. Wie schnell man sich an so einen Anblick gewöhnt, dachte der Sieder. Verwundert darüber, dass sich sein Brechreiz nun in Grenzen hielt. Im Gegensatz zu dem von Richie, der sich röhrend vom Anblick des brummenden Beins wegdrehte und in hohem Bogen sein Abendessen ins feuchte Gras spuckte. Dabei war ihm die Taschenlampe aus der Hand gefallen. Sie rollte ein Stück durch die Wiese, bis sie sanft an das Bein stupste, sich drehte und so liegenblieb, dass der Lichtkegel den Brogue anstrahlte. Das Lackleder glitzerte.

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