Nur ein Symposium? Eine Recherche

Wer sich die Presseaussendung zum diesjährigen Dinghofer-Symposium oberflächlich durchliest, könnte annehmen, es handle sich dabei um eine Veranstaltung des Parlaments. Recherchiert man etwas genauer, kommt man relativ schnell drauf, dass es sich bei der Veranstaltung vor allem um ein Event der FPÖ bzw. burschenschaftlicher Kreise handelt. Im Anschluss ein kleiner Überblick auf Basis einer Erstrecherche zur Person Franz Dinghofer, dem „Franz Dinghofer Institut für Forschung und Lehre zur nationalen sowie internationalen Politik“ sowie dem Symposium.

Wer war Franz Dinghofer?

1873 in Ottensheim geboren absolvierte Dinghofer sein Jus-Studium in Graz. Zudem war er Mitglied der Burschenschaft Ostmark Graz. Die „Burschenschaft der Ostmark“ war ein Korporationsverband akademischer Burschenschaften. „Die „ostmärkischen“ Burschenschaften waren so etwas wie die Kerntruppen des österreichischen Nationalsozialismus. Ernst Kaltenbrunner, Leiter des Reichssicherheitshauptamts in Berlin, war „Alter Herr“ der „Arminia Graz“, Hugo Jury, Gauleiter von Niederdonau, hatte in seiner Jugend in der „Ghibellinia Prag“ gefochten und Friedrich Rainer, Gauleiter von Kärnten und Salzburg, in der Grazer Verbindung „Ostmark“. Ob in Salzburg, Graz oder Wien: Arminen, Cherusker und Teutonen – in der Regel stramme Unterstützer des NS-Regimes – konnten ihre Mensuren auch im „Dritten Reich“ ausfechten, zumindest bis zum Beginn des Russlandfeldzugs, der burschenschaftliche Aktivitäten dann allerdings zur Gänze zum Erliegen brachte“ ist in einem Artikel auf oe1.orf.at über die umfassendste Arbeit zum völkischen Korporiertenwesen, verfasst von Bernhard Weidinger, nachzulesen.

Franz Dinghofer begründete zuerst den Deutschen Volksbund, später die Großdeutsche Vereinigung, die Vorgängerorganisation der deutschnational, völkisch und antisemitisch gesinnten Großdeutschen Volkspartei, als deren Obmann er fungierte. Schon in der Ersten Republik und spätestens mit dem sogenannten „Anschluss“ 1938 liefen viele Mitglieder zu den Nationalsozialisten über. Dinghofer war ab 1928 Präsident des OGH und wurde 1938 in den Ruhestand versetzt. Als Begründer der GDVP, die sich in den gesellschaftspolitischen und rassistischen Botschaften nur wenig von der NSDAP unterschied, ist Dinghofer definitiv äußerst kritisch zu sehen. Die Rolle, die ihm die FPÖ als „Verkünder der Ersten Republik“ zuschreibt, lässt diese Kritikpunkte jedoch völlig außen vor.

Bereits 2009 übten die Grünen übrigens genau aus diesen genannten Gründen scharfe Kritik an der Ehrung Dinghofers durch die FPÖ.

Was ist das „Dinghofer Institut“?

Laut Vereinsregisterauszug trägt das Institut den vollen Namen „Franz Dinghofer Institut für Forschung und Lehre zur nationalen sowie internationalen Politik“ mit Sitz in 1080 Wien. Als Obmann fungiert Alexander Höferl, Obmann-Stellvertreter ist Walter Asperl. Höferl ist Leiter des FPÖ-Kommunikationsbüros und verantwortet auch FPÖ-TV. Beide sind redaktionelle Mitarbeiter des Medienportals unzensuriert.at, das immer wieder durch massiv rassistische und hetzerische Artikel auf sich aufmerksam macht (mehr dazu hier). Übrigens ein kleines Detail am Rande: Das Institut findet sich auch auf der Liste spendenbegünstigter Organisationen.

Eine der Publikationen des Vereins, erschienen im unzensuriert-Verlag, beschäftigt sich mit dem Namensgeber. Im Vorwort erklärt der damalige dritte Nationalratspräsident und Begründer des Medienportals unzensuriert.at Martin Graf den Zweck des Instituts folgendermaßen:

Quelle: Broschüre Franz Dinghofer

Die Broschüre wird unter anderem auch in einem Buch zu freiheitlicher Familienpolitik (Wir sind Familie! Der freiheitliche Weg zur familienfreundlichen Gesellschaft. Verlag Unzensuriert.at, Wr. Neudorf 2011. Mehr dazu gibt’s hier nachzulesen) von Anneliese Kitzmüller, Nationalratsabgeordnete der FPÖ und Aula-Autorin, mitbeworben. Kitzmüller geriet vor allem im Rahmen der Koalitionsverhandlungen im Herbst 2017 aufgrund ihrer Verbindungen zu rechtsextremen Kreisen in die mediale Öffentlichkeit. Schon 2013 nahm sie am Dinghofer Symposium teil.

Worum handelt es sich eigentlich beim „Dinghofer Symposium“?

Ein weiterer Hauptzweck des erwähnten Instituts ist zudem die Ausrichtung des „Dinghofer Symposiums“. Das Symposium kommt zwar in den Presseaussendungen der Parlamentsdirektion vermeintlich überparteilich daher, entpuppt sich allerdings schnell als FPÖ-Veranstaltung und fand in den letzten Jahren auf Einladung des auch für die kommende Legislaturperiode abermals gewählten dritten Nationalratspräsidenten Norbert Hofer, die Jahre zuvor auf Einladung Martin Grafs statt.

Die Medaille gestaltete übrigens kein Unbekannter: Odin Wiesinger, Lieblingsmaler von Norbert Hofer. 2016 stellte er beim umstrittenen „Kongress der Verteidiger Europas“ aus, gestaltet auch schon einmal Titelbilder für das als rechtsextrem einzuordnendes Medium infoDIREKT und zeichnet seine Bilder bisweilen gerne mit der „Odalrune“. In der Zeit des Nationalsozialismus war die Rune das Symbol der Hitlerjugend, später wurde es das Zeichen der Wiking-Jugend und des rechtsextremen „Bundes Nationaler Studenten“.

Quelle: VICE

Odin Wiesinger, selbst deutschnationaler Burschenschafter, geriet vor allem wegen seiner sexistischen und einschlägigen Aussagen, Postings und Kommentare in die öffentliche Diskussion. Hanna Herbst von VICE veröffentlichte 2016 eine umfassende Recherche zu Wiesinger.

Hier eine Auswahl an Preisträgern:

  • 2012 wurde Werner Kuich, emeritierter Mathematik-Ordinarius und Mitglieder der Burschenschaft Libertas, mit der Medaille ausgezeichnet. In dem von Martin Graf im einschlägigen ARES-Verlag veröffentlichten Buch „150 Jahre Burschenschaften in Österreich“ ist auch ein Beitrag Kuichs zu finden. In einem Artikel von Herbert Lackner im profil zur Buchveröffentlichung liest man: „Kuich sorgt sich, wie die meisten Autoren, um die Zukunft des Deutschtums. Er sieht dunkle Wolken dräuen: „Das deutsche Volk ist auf der Straße zum Volkstod schon ein beträchtliches Stück fortgeschritten.“ Böses sei im Gange: „Verringerung der Volkskraft durch Überfremdung“, „geistiger Völkermord“, „bewusste Zersetzung des Volksbewusstseins“.“
  • 2015 erhielt Michael Büge die Auszeichnung als „Opfer linken Gesinnungsterrors“, wie unzensuriert.at ihn bezeichnete. Büge, damals CDU-Funktionär und heute Fraktionsgeschäftsführer der AfD im Landtag Rheinland-Pfalz, wurde 2013 aufgrund seiner Mitgliedschaft bei der pflichtschlagenden Berliner Burschenschaft Gothia seines Amtes als Staatssekretär für Soziales enthoben.
  • 2017: Der Preisträger in diesem Jahr war Rüdiger Haider, Sohn des Nationalratsabgeordneten und Koalitionsverhandlers Roman Haider. Begründung: Verdienste um die Demokratie. Rüdiger Haider benachrichtigte während eines Vortrags des Journalisten Thomas Rammerstorfer zum Thema „Extremismus“ seinen Vater Roman Haider. Nach Intervention seitens des FPÖ-Nationalratsabgeordneten wurde der Vortrag abgebrochen. In weiterer Folge geriet jener Lehrer ins Visier, der die Veranstaltung organisiert hatte. Die FPÖ Oberösterreich richtete eine angeblich unabhängige Meldestelle ein, auf der anonym „Verstöße gegen die Objektivität“ seitens LehrerInnen oder Schulen gemeldet werden konnten, die jedoch über die Website Manfred Haimbuchners lief. Nach erheblichen Protesten wurde die Seite schnell wieder vom Netz genommen.
    Rüdiger Haider trat bei der Preisverleihung in Bundesheer-Uniform und Band der 1998 gegründeten pennalen Burschenschaft Donauhort zu Aschach auf. Das Bundesheer prüft aufgrund möglicher Verstöße gegen die allgemeinde Dienstvorschrift derzeit (Stand November 2017) ein Disziplinarverfahren gegen Haider. 
Bildschirmfoto 2017-11-11 um 15.43.00
Screenshot: Website der Parlamentsdirektion
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