Gehn’S, Herr Ober: 1 Schnapserl bittschön*

Also kalt isses schon hier. Dabei heißt’s, gen Osten wird’s wärmer.
Wer hier schon alles war: Kelten, Illyrer, Römer…Ganz schön multikulti, dieses Purkersdorf. Und auch noch roter Bürgermeister.
Eigentlich recht schön da.
Das Kaffeehaus schaut ja nett aus. Ein Kaffee wär‘ jetzt eigentlich eh was Feines. Bissi Torterl dazu. Bissi Zeitung lesen. Gleich mal reinschauen.
Ah! Da drüben ist sogar noch ein Tischerl frei.

Tschuidign, Herr Ober. Ist der Tisch noch frei? Ob mich was? Nein, nein! Stört mich gar nicht, dass der im Raucher steht. Das passt schon. Einen großen Braunen und ein großes Soda Zitron bitte. Hätten’S einen Kuchen auch für mich? Aja, da in der Vitrine. Ja dann nehm ich doch so ein Kardinalsschnitterl bitte. Und wo find‘ ich die Zeitungen? Ah super. Da drüben. Ich dank‘ Ihnen recht herzlich.
Kronen Zeitung. Österreich.
Entschuldigung. Gibt’s den Standard auch? Ah, hab‘ ihn schon. Lag unter dem Stapel ganz unten. Nix für ungut. Danke!

Oh, das ist aber ein schönes Kaffeegeschirr! Und so schöne Teller. Überhaupt sehr gemütlich hier. Muss ich mir merken. Ja danke, ich melde mich natürlich, wenn ich noch etwas brauche. Sehr freundlich!

Mei, ich tu ja so gern Leut‘ schauen. Da komm ich eh nicht zum Zeitung lesen. Der da drüben…Hm. Kommt mir irgendwie bekannt vor. Die Brille. Und der Dreitagebart. Und das Gschau. Oje, jetzt hat er gesehen, dass ich schau. Hab‘ ich gestarrt? Ich weiß es nimma. Naaa, jetzt steht er auf auch noch! Und geht in meine Richtung. Scheiiii…

Ähem. Ähm. Grüß Gott! Äh. Warum ich so g’schaut hab? Also, ja. Ich war mir halt nicht sicher, ob Sie’s sind. Aber Sie sind’s offensichtlich, Herr Kickl. Äh. Natürlich. Herr Minister! Verzeihung. Ist ja noch so ungewohnt, Sie als Minister. So frisch das alles. 
Ja, ich weiß, dass man nicht so ungeniert starren soll. Lassen’S meine Eltern und meine Kinderstube aus dem Spiel, Herr Ki…äh Herr Minister! Ich find‘ mich nicht unerzogen, nur weil ich g’schaut hab. 
Also gut. Fangen wir noch mal an. Is‘ blöd gelaufen grad. Also: Wotan zum Gruße, Herr Minister! Belieben Sie sich zu mir zu setzen auf ein Plauscherl? 
Ja hat er gesagt. Damit hab‘ ich jetzt nicht gerechnet. Das is‘ jetzt fast a bissl blöd…

Dass Sie da so als Minister ganz allein im Kaffeehaus…ich mein, Sie müssen ja grad urviel zu tun haben! Österreichische Kaffeehauskultur unterstützen? Das ist schön. Sehr löblich. Und Volksnähe ja auch dings. Äh…Fein.

Ja, schöne Feiertage waren’s. Jaja, hat schon gepasst. Ob ich Ihre Facebookseite kenne? Öhm, ja. Ja, Ihren Weihnachtsgruß hab‘ ich mir angeschaut. Jo. Eh. Baum bissl schirch. Die Äste so „heut amal, morgen amal“, wie man so sagt. So löchrig. Und so gar nicht ministrabel. Also der Baum.
Was das jetzt wieder heißen soll? Ähm. Nix. Ich meinte, der Baum sei fix nicht ministrabel. Bei Ihnen tu ich mir schwer bezüglich ministrabel. Weil, ich hab‘ nämlich damals diesen Kongress da in Linz verfolgt. Den wo Sie da geredet haben. Wo Sie in Ihrer Rede von ParlamentarierInnen der SPÖ und Grünen als „frustrierten und mieselsüchtigen Gestalten“ geredet haben. Vom Standard als „Gesinnungsstasi“. Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes haben Sie als „unnötigen Verein“ tituliert. Ihre KritikerInnen seien eine „linke Jagdgesellschaft“. Weil vorher Kinderstube Thema: Finden Sie, dass das Aussagen sind, die wo von jemandem kommen sollen, der jetzt Minister…

Das stimmt nicht? Haben Sie nie gesagt? Ich schick Ihnen den YouTube-Link. Is‘ ja schon a Zeitl her. Kann man schon einmal vergessen, was man vor einem Jahr gesagt hat. Aber ich helfe gerne. Eh auf die BMI-Mailadresse, oder? Is‘ schon weg! Diese Smartphones sind schon eine super Erfindung. Zwar Datenschutz und Whatsapp und Facebook schon a bissl Schiss wegen Überwachung und so. Aber das brauch ich Ihnen ja eh nicht erzählen, nicht wahr?

Was meinen Sie? Ob ich auch so eine Linkslinke wär‘? In Ihren Augen sicher. Ich seh‘ mich halt als anständig. Also anständig im menschenliebenden Sinn. Und weil Sie da in Ihrer Weihnachtsansprache von der Nächstenliebe geredet haben: Wissen’S, das passt für mich halt nicht so zamm. Sie meinten…Lassen’S mich kurz ausreden, bitte! Sie meinten in dem Video, man soll jedem Menschen Anerkennung und Wertschätzung entgegen bringen. Wie jetzt? Allen außer MuslimInnen, der SPÖ, den Grünen, den Linken, den JournalistInnen der „Mainstream-Medien“, MigrantInnen, Flüchtlingen, AsylwerberInnen, Karl Öllinger, Ariel Muzicant, KritikerInnen der FPÖ im Allgemeinen…

Herr Kickl, bleiben’S doch sitzen. Ich mein’s ja net bös. Ehrlich nicht! Aber das haben’S ja alles gesagt. Da brauchen’S doch jetzt nicht davonlaufen! Ich freu mich doch über eine Antwort. Und ich diskutier so gern, Herr Minister! Aber wenn’S jetzt gehen müssen…Sonst schreiben’S mir halt ein Mail. Wär wirklich voll nett! Und volksnah! Meine Mailadresse haben’S jetzt ja eh, Herr Minister! Schad‘, dass Sie schon gehen müssen, Herr Minister!

So aufgeregt, der Arme. Hat wahrscheinlich so viel Stress im Moment. Da hat man halt keine Nerven mehr zum Diskutieren. Oder für die Volksnähe. War jetzt fast a bissl aufregend! Brauch ich direkt was zur Beruhigung.

Gehn’S, Herr Ober: 1 Schnapserl bittschön! Was Klares. Und haben’S den FALTER aufliegen? 

*Ablauf, Aufeinandertreffen und Gespräch haben niemals stattgefunden. Ich schwör! Und mich gibt’s eigentlich auch nicht. #achtungsatire

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