Wenn es an die Psyche geht – Schon wieder fünf Monate ohne Job #reblog

Dieser Text stammt von einem meiner liebsten Twitterfreund*innen. Er ist klug. Er ist wertschätzend. Er ist empathisch. Sein Name ist Manuel Schwaiger. Wir haben uns noch nie persönlich getroffen. Und trotzdem: Bei manchen Menschen weiß man auch aus der Ferne, dass man sich gut versteht. Als ich auf Jobsuche war, hat Manuel mir Zuspruch gegeben. Er hat mir vermittelt, dass alles gut wird. Dieser Zuspruch ist unschätzbar wertvoll! Das weiß jeder*r, der/die schon in dieser Situation war.

Ich möchte meinen Twitterfreund auf diesem Weg unterstützen und ihm ein kleines Stück von dem zurückgeben, was er mir gab. Indem ich seinen Text meinen Leser*innen zugänglich mache. Teilt diese Zeilen. Gebt dem Autor das Backup, das er anderen Menschen gibt. Er ist einer von den wirklich Guten, von denen es ohnehin viel zu wenig gibt.
Der Originaltext ist auf Manuels Blog zu finden. Ich möchte ihm danke dafür sagen, dass er sofort „Ja“ gesagt hat, als ich fragte, ob ich seine Gedanken für meinen Blog übernehmen darf. Es ist mir eine Ehre.

Aber lest selbst.


Wenn es an die Psyche geht – Schon wieder fünf Monate ohne Job

Es ist nicht der erste „Ausflug“ in die Arbeitslosigkeit, auf dem ich mich gerade befinde. Schon nach dem Germanistikstudium war ich fünf Monate erfolglos auf Suche. Über hundert Bewerbungen führten ins Leere. Naja… Nicht ganz. Eine Buchhandlung in Vorarlberg hätte mich eingestellt. Jedoch mit folgender Begründung: „Mit Ihrem Studium können wir Sie nicht wirklich brauchen. Aber Ihre Lehre als Lagerlogistiker; die ist wertvoller. Sie müssen wissen; wir sind gerade dabei, unser Lager neu zu gestalten.“
Ich hätte also statt den Metallwaren, die ich in meinem ehemaligen Lehrbetrieb durch die Gegend trug, Bücher von Autorinnen und Autoren möglichst platzsparend ein- und ausgelagert. Dies erschien mir dann doch nicht als Sinn und Zweck des Studienabschlusses.

Ich entschied mich dann dazu, ein weiterführendes Studium zu machen. Mit dem Master Medien bist du sicherlich begehrter am Arbeitsmarkt, dachte ich mir.
Das Masterstudium ist seit Ende Oktober 2017 vorbei. – Und ich nach wie vor auf Jobsuche. – Und wieder sind es schon mehr als hundert Bewerbungen, die ich in die Welt verstreut habe. Positiv anmerken muss ich, dass so ein Masterabschluss immerhin zu wesentlich mehr Einladungen zu Bewerbungsgesprächen führt. Doch bisher entschieden sich die Firmen dann für jemanden mit Berufserfahrung. Die kann man schlecht mitbringen, wenn einem nicht einmal ein Praktikum vergönnt wird.

Manuel Schwaiger
Foto (c) Manuel Schwaiger | Originalquelle

Gestern fing es dann an, an der Psyche zu nagen. Denn das wohl Schlimmste an der Arbeitslosigkeit ist, dass man keine Wertschätzung erfährt. Nicht die Wertschätzung als Mensch. Ich rede von der Wertschätzung für die Fähigkeiten, die man hat. Ohne Job kann man diese nicht einsetzen. Es fehlt das Feedback, dass man eine Sache gut gemacht hat.
Ein weiteres Problem ist, dass man am Abend mit dem Wissen, nichts für diese Gesellschaft beigetragen zu haben, ins Bett geht. So werden die Tage nach und nach leerer. Bedeutungsloser. Wie auf dem Bild, welches ich für diesen Beitrag ausgewählt habe, verschwindet langsam aber sicher der Sinn der Tage und die Hoffnung auf Erlösung aus diesem Dilemma. So wie der Baum, der im Schleier des Nebels verblasst.

Langsam beginnt man dann auch noch, sich einzuigeln. Kontakte mit Bekannten und Freunden werden gemieden bzw. weniger. Denn irgendwann fällt es schwer, die immer selben Sätze und Fragen zu hören. „Wie geht es dir mit der Jobsuche?“ „Das gibt es doch gar nicht, dass dir niemand eine Chance gibt.“ „Kopf hoch, es wird sich sicher bald was ergeben.“
Natürlich sind diese Sätze ja nur nett gemeint von Freunden, Bekannten und Verwandten. Doch mit der Zeit verstärken sie auch irgendwie einfach nur die Selbstzweifel.

Wie meine Tage nach fünf Monaten Arbeitslosigkeit aussehen, möchtet ihr wissen?
Ich lese viel, bilde mich selbst weiter, um für die Stellen, auf die ich mich bewerbe, noch besser geeignet zu sein, binche so manch eine Serie, verschicke Bewerbungen und dokumentiere selbige brav im Online-Konto des AMS, gehe spazieren oder schwimmen, spiele Schach und Solitär, treffe mich ab und zu mit Freunden auf Kaffee oder Bier …

Und was ich am häufigsten tue: Ich warte darauf, wieder wertvoller zu sein. Und jeden Tag fühlt es sich mehr und mehr danach an, als warte ich auf Godot.

Manuels Schreibkram | Blog Manuel Schwaiger

Follow Manuel Schwaiger on Twitter @ManuelSchw85

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