Verzweifelt

Drei Jahre ist es her. Irgendwo auf den Straßen zwischen Ungarn und Österreich starben 71 Menschen in einem LKW. Es kommt einem vor wie gestern. Und gleichzeitig fühlt es sich Lichtjahre entfernt an. Es war damals noch ein anderes Europa. Es war ein anderes Österreich. Es war anders.

Dass dieser 71 Menschen nicht einmal am Rande gedacht wird. Dass sich niemand darüber Gedanken macht, dass ihre Leben und durch das Vergessen auch ihre Geschichten ausradiert wurden, lässt verzweifeln. Es sind ihre Leben und das der Zigtausenden, die an den von Populist*innen mit einem Grinsen im Gesicht geschlossenen Grenzen und Fluchtrouten zerschellen. Es sind die genommenen Chancen auf ein normales, ein sicheres Leben. Auf Ausbildung, Existenz und Frieden. Etwas Selbstverständliches, das niemand von uns auch nur für einen einzigen Tag aufgeben würde. Auf den Tag genau verkündet die schwarzblaue Bundesregierung, Asylwerber*innen eine weitere Möglichkeit auf ein möglichst normales Leben zu nehmen. Einfach so. Mit einem Lächeln im Gesicht. In Ungarn lässt man Schutzsuchende hungern. Um es ihnen so richtig zu zeigen, dass für sie kein Platz in Europa ist. Um ihnen eins reinzuwürgen. Wo kommen wir denn da hin, wenn die auch noch etwas zu Essen bekommen? 

Österreich hat sich in kürzester Zeit in etwas verändert, das es eigentlich immer schon war. Der Wunsch nach Autoritärem war in Österreich nie weg. Er hat sich lediglich unter dem Teppich versteckt, unter den er gekehrt wurde, als es gerade politisch in den Kram passt. „Das wird man wohl noch sagen dürfen“ ist Common Sense. Das Schweigen der Mitte und ihre gleichzeitige Relativierung von Hass und Ausgrenzung zu „es ist doch nur Besorgnis, die man ernst nehmen muss“, dieses ohrenbetäubende Kleinreden von Ungeheuerlichem ist das, was verzweifeln lässt. Und gerne als Vernunft gepriesen wird. 

Die Verzweiflung ob dieser sichtbaren Ungehörigkeit, die ständig unter dem Mantel der vorgeschobenen Vernunft gepriesen wird als politisch notwendig, ist groß bei mir. Weil ich keine auch noch so „vernünftige“ Strategie darin erkennen kann, Menschen sterben zu lassen. Menschen einfach zu vergessen. Es gibt zwei Tode. Den physischen. Und das Vergessenwerden. An beidem machen wir uns mitschuldig.

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