Der 8. März ist mehr

Ich hatte heute ein Streitgespräch auf Twitter. Wie so oft. Täglich eigentlich. Ich poste den Thread hier bewusst nicht. Wer will, wird ihn finden und kann ihn nachlesen. Aber um diesen einen Thread geht’s ja auch nicht. Sondern eigentlich um den 8. März – den internationalen Frauentag oder (find‘ ich besser eigentlich) den internationalen Frauenkampftag. So heißt er übrigens auch in Island, hat mir eine Freundin erklärt. Finde ich gut, weil damit auch die Absicht, die hinter diesem Tag steht, klarer wird. 1922 wurde der 8. März erstmals in mehreren Ländern als Frauentag begangen. Und er wurde innerhalb der linken Frauenbewegungen gefordert und schließlich auch begründet. Dem Tag wohnt Progressivität inne. Der Kampf um Frauenrechte und Gleichstellung. Der 8. März ist ein zutiefst unbequemer Tag voller Forderungen, voll lauten Rufens, voll Hartnäckigkeit, Ungehorsam und „smash patriarchy“-Attitüde. Und er ist noch eins: Anti-elitär und anti-kommerziell.

Rund um den 8. März 2018 trendete der Hashtag #frauentagfails. Ein Tumblr-Blog sammelte die Fails. Unternehmen und Marken warben mit sexistischen Sujets und Postings für Kosmetik, Unterwäsche, Pralinen und andere Produkte. Ein von linken, progressiven Frauen begründeter Tag wird zu einem einzigen Product Placement. Bar jeglichen Bewusstseins für die Hintergründe, die zutiefst politisch sind. Es geht hierbei weder um Epiliergeräte, Blumen noch komplett unpolitische Feelgood-Events, sondern um internationalen Feminismus, der auch und vor allem intersektional zu sein hat.

Ich weiß ja nicht, wie’s euch geht. Aber ich hab‘ ein ziemliches Problem damit, wenn ein feministischer Kampftag zum Marketinggag verkommt. Und ich hab‘ ein Problem damit, wenn Feminismus als etwas gesehen wird, das weiß und hetero sein soll. Wir brauchen endlich die Erzählung aller Frauen aus ihren Perspektiven: Der Armutsbetroffenen, der Women of Colour, der Mehrfachmarginalisierten, der zweifelnden und müden und täglich kämpfenden Mütter, der Regretting-Motherhood-Frauen, der Alleinerziehenden, der Kinderlosen, der Genderqueers, der Transfrauen, der Sexarbeiterinnen, der Mentorinnen und Verbündeten (die so unfassbar supportive sind), der Erwerbstätigen und Nicht-Erwerbstätigen, der von Gewalt Betroffenen, der lesbischen Frauen, der Aktivistinnen, die alle so stark sind, wie ich es mir gar nicht vorstellen kann. Frauen sind alles. Nicht nur eins davon. Wir wollen adressiert werden. Wir wollen in den Panels und Diskussionen sitzen. In inklusiven Diskussionen. Und sie – wir – haben uns verdient, dass aus dem Kampf um Gleichstellung und Gehörtwerden keine kommerzielle und unpolitische Feelgood-Marketing-Geschichte gestrickt wird. Dafür ist der Kampf zu ernst.

Der 8. März dreht sich um Solidarität. Es geht eben nicht darum, dass es uns nur an diesem einen Tag gut geht und wir Blumen in die Hand gedrückt bekommen. Der 8. März ist Symbol dafür, dass es uns nicht gut geht. Dass sich die Diskussion seit fast hundert Jahren um die ewig gleichen Dinge drehen. Ja. Vieles wurde erreicht. Und zwar nicht durch Höflichkeit oder Bittebitte-Sagen. Sondern durch Vor-den-Kopf-Stoßen. Durch Hartnäckigkeit. Durch gestreckte Mittelfinger, Protest und Bedingungslosigkeit. Doch viel liegt noch vor uns und vieles fehlt. Dafür steht der 8. März. Nicht für rosa Epiliergeräte.

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